Vladimir Jurowski dirigiert Rebel, Adès und Adams
Shownotes
Jean-Féry Rebel „Les éléments – symphonie nouvelle“
Thomas Adès „In Seven Days“ für Klavier und Orchester
John Adams „Harmonium“ für Chor und Orchester
Vladimir Jurowski Dirigent
Kirill Gerstein Klavier
Rundfunkchor Berlin Julia Selina Blank Choreinstudierung
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
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00:00:01: Muss es sein?
00:00:10: Auf das kommende Konzert freue ich mich wahnsinnig, denn es gibt ein Stück von meinem Lieblingskomponisten über den ich in meinem anderen Leben als Musiktheoretikerin forge.
00:00:19: Thomas Addis ist ein britischer Komponist der Klänge ganz virtuos zwischen Vergangenheit und heute schweben lässt.
00:00:27: Besonders toll finde ich es in Klavierkonzert, in Seven Days heißt das Einsatz für jeden Tag der Schöpfung.
00:00:33: Und genau dieses Werk gibt es am fünfzehnten November im Konzert mit Kirill Gerstein am Klavier – für den hat Edestas Konzern übrigens auch komponiert!
00:00:42: Mit dabei sind auch Wladimir Jorowski am Pult und Der Rund von Chor Berlin.
00:00:46: Das alles findet statt im Rahmen des Musikfestes Berlin.
00:00:49: Flankiert wird das Lieblingsstück von noch mehr Lieblungsstücken.
00:00:52: Da wären Les Elemons von Jean-Fierry Rebell, ein Werk aus der Barockzeit, dass hier als Pendant funktioniert.
00:00:57: Denn Rebell wird mit jedem Element einsatz und dann auch von John Adams Harmonium.
00:01:04: Aber jetzt zeige ich euch erst mal warum Ich so erdesverrückt bin.
00:01:15: Kaos So ist dieser Satz überschrieben Klingt aber gar nicht so chaotisch oder?
00:01:21: Ist es auch nicht?
00:01:22: Addis Interpretation von Die Erde war wüst und leer beinhaltet anscheinend eine Vorahnung von Ordnung.
00:01:29: In diesem Satz wiederholen sich nämlich die gleichen Harmonien immer wieder und wieder, und erzeugen so ein Sog der einen ganz hineinzieht in das ganze Werk.
00:01:38: Solche Wiederholungen kennt man seit dem Barock – sie heißen dort Pasacallia oder Chaconne.
00:01:53: Und jetzt hören wir vielleicht erst mal rein wie das Chaos bei Jean-Philippe Rebell klingt.
00:02:00: Moment!
00:02:01: Das soll barock sein?
00:02:02: Das klingt doch total modern.
00:02:07: Das ist tatsächlich ein Cluster, also eine Ansammlung von nebeneinander liegenden Tönen.
00:02:13: Die Erde war wüsst und leer – ich sag's euch!
00:02:15: Und ein Clustar ist tatsächlich eines der wichtigen musikalischen Mittel der Kompositionen der Moderne- und Postmoderne.
00:02:23: Und dann wie ein Musiker, der stoisch Querflöte übt während seinen kleines Kind nebenan auf dem Cemalou schrammelt?
00:02:31: Hören wir wie Jean-Pierre Rebell die Ordnung symbolisiert, die langsam hier das Chaos übernimmt nämlich durch geordnete Töne, eine Tonwerte.
00:02:42: Wir überspringen jetzt mal die Elemente Wasser und Erde... ...und machen weiter beim Feuer!
00:02:47: Denn hier komponiert Rebell tatsächlich eine Schakkon.
00:02:50: Um die Wiederholung mitzubekommen, lohnt es sich auf die tiefste Stimme zu hören – den Bass.
00:02:55: Das ist aber gar nicht so einfach.
00:02:56: Versucht es mal, der beginnt nämlich SO.
00:03:04: Und an einer ganz anderen Stelle des Satzes klingt er immer noch genauso obgleich die Instrumente über dem Bass was komplett anderes spielen.
00:03:19: Und zurück zu Erdes.
00:03:20: Wie gesagt, er baut eine Brücke zwischen Vergangenheit und Heute – und ich erwähnte auch schon, dass es sich an der historischen Form der Passacaglia bedient!
00:03:28: Wenn wir jetzt bei Erdes in den vierten Satz reinhören, dann komme ich diese Harmonien vielleicht bekannt vor.
00:03:48: Erdes schreibt die Musik über die Sterne und benutzt die gleichen Akkorde wie ganz zu Anfang im Chaos.
00:04:01: Vielleicht möchte er uns also zeigen, dass die Sterner eigentlich aus dem Sternstaub des Chaoses des Weltenbeginns bestehen?
00:04:08: Und diese Passacalla bleibt, wenn man ganz genau hinhört das ganze Klavierkonzert überbestehen.
00:04:13: Bis ganz zum Ende in dem alle Tage der Schöpfung noch einmal ihren Widerhall finden.
00:04:51: Den dritten Satz haben wir jetzt übersprungen Land Grass Trees aber der muss unbedingt noch mit rein denn da komponiert Addis eine einzige große Steigerung wie so ein Sog den man sich nicht entziehen kann.
00:05:03: langsam wächst ihr die Musik wie aus einem Samenkorn zu einem riesigen, märchenhaften Wald.
00:05:08: Und die Musik, die wächst hier wirklich organisch.
00:05:11: Addis nutzt dazu einen kompositorischen Trick – er komponiert nämlich eine Zwölftoun-Reihe.
00:05:16: Ja das ist genau diese Musik von der es heißt, sie würde immer furchtböcklen!
00:05:20: Und aus dieser Abfolge der Zwölfteunreihe generiert Addis den ganzen Satz.
00:06:01: So und wenn euch die Akkorde von Thomas Addes gefallen haben dann werdet ihr John Adams lieben.
00:06:08: Er und Addis bauen die Harmonien übrigens oft ziemlich ähnlich auf.
00:06:11: Und zwar finden wir bei beiden Duo-Akkorde, in die dann ein akkordfremder Ton eingebaut wird – also einen Ton, der eigentlich nicht dazugehört.
00:06:20: Das klingt jetzt schon ziemlich nach Adams!
00:06:22: Wenn man noch ein paar Töne dieses Akkordes so hin und her wechselt aber bestimmte Tönen behält, erhält man sehr schnell das Material aus dem Adams Klang zwischen Wohlklang und Ziehen der Sehnsucht gebaut ist.
00:06:33: So einfach, so großartig….
00:06:36: Und wenn Adams mit solchen Akkorden seine minimalistischen und repetitiven Klangflächen gestaltet, dann ist das einfach nur pompös.
00:06:43: Wenn da noch ein Chor besetzt ist in diesem Fall der Rundfunkchor Berlin, dann bleibt kein Auge trocken!
00:07:37: Und dann kann der Adams natürlich auch Instrumentation.
00:07:50: Solche Besse muss man sich erst mal trauen, wenn lieber schwarrn – herrlich!
00:07:54: Und obgleich Adams' Harmonien immer recht lange stehen bleiben ändert er die Textur halt so virtuos dass es einfach nicht langweilig wird.
00:08:02: Ein bisschen wie bei einer Pasakalja.
00:08:04: ihr erinnert euch….
00:08:05: Der Bass blieb, die Figuren und die Instrumentations haben sich verändert.
00:08:12: Und dann der Höhepunkt mit einem Text von Emily Dickinson Wild Nights.
00:08:17: Achtung Diese Folge wird zu lang, ihr müsst selber weiterhören.
00:09:40: Ist auch alles auf YouTube und am fünften November natürlich in der Philharmonie.
00:09:44: Gespielt nicht von irgendjemandem, der von eurem Algorithmus supportet wird sondern vom The One and Only RSB und dem Rundfunk Koberlin und dem großartigen Kirill Gerstein.
00:09:55: Das wird ein Fest!
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