Stanislav Kochanovsky dirigiert Widmann und Rachmaninow
Shownotes
Jörg Widmann Fantasie für Klarinette solo (1993)
Jörg Widmann „Elegie“ – Konzert für Klarinette und Orchester
Sergei Rachmaninow Sinfonie Nr. 1 d-Moll op. 13
Stanislav Kochanovsky Dirigent
Jörg Widmann Klarinette
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
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00:00:01: Muss es sein?
00:00:03: Der Konzert-Probcast des RSB mit Sophia Susanne Westenfelder.
00:00:08: Hallo, Fia hier!
00:00:10: Heute geht's um zwei Musiker die auf den ersten Blick nicht wirklich viel gemeinsam haben.
00:00:15: Der eine ist ein russischer Spätromantiker gestorben in amrikanischen Exil und der andere ist quick lebendig kommt aus München und isst gerade so ziemlich die meistgespielte Stimme der zeitgenössischen Musik...und trotzdem Wenn man ganz genau hinschaut, dann ähneln sich Sergey Rachmaninov und Jörg Wiedmann verblüffend.
00:00:33: Beide sind nämlich nicht nur Komponisten sondern auch Vollblutinstrumentalisten.
00:00:39: Rachmaninow war einer der besten Pianisten seiner Zeit Und Jörgg Wiedman ist eine der besten Klarinetisten seinerzeit!
00:00:46: Und beide haben diese Gabe ihre eigene Musik selbst aufs Podium zu tragen und im Publikum live auszuliefern.
00:00:53: Am achten November könnt ihr genau das in Berliner Konzerthaus erleben.
00:00:57: Jörg Wiedmann spielt sein eigenes Klarinettenkonzert und seine eigene Solo-Fantasie unter Zwischen, dirigiert Stanislav Kochanowski Rachmaninoffs erste Sinfonie.
00:01:06: Fangen wir mit Wied Mann an im Hier und Jetzt!
00:01:09: Diese Fantasie hat Jörgg Wied mann geschrieben als er selbst noch ziemlich jung war gerade mal zwanzig Jahre alt also kaum älter als sein Instrument ihn schon kennt.
00:01:17: Und dann hört ihr auch diese jugendliche Wildheit an.
00:01:19: hier zeigt einer was seine Klarinette so alles kann und das ist in Wiedmans Fall eine ganze Menge.
00:01:26: Fast improvisatorisch beginnt dieses Stück.
00:01:28: Ein langer Ton aus der Tiefe nach oben, eine Prise Rapsody in Blue Aber dann geht's los!
00:01:36: Schnelle Läufe bis in die höchsten Höhen und Töne, die die Klarinette eigentlich gar nicht spielen kann Und die Ewiebmann aber trotzdem entlockt.
00:01:44: Das sind mehrstimmige Klänge bei denen zwei Tönen gleichzeitig schwingen.
00:01:49: Hier ist zum Beispiel so einer Und immer wieder hört man auch diese etwas altmodischen und fast wehmütigen kleinen Melodiefhetzen Die klingen, als kämen sie direkt aus Gatsby's Haus auf Long Island.
00:02:09: Genau dieser Umschlag zwischen Nostalgie und avantgardistischer Zerrissenheit ist typisch Wiedmann.
00:02:16: Er selbst versteht seine Musik als Brücke zwischen der Tradition und dem was danach kommt.
00:02:21: Mit der Fantasie hat er sich als junger Mann quasi seinen eigenen musikalischen Werkzeugkasten gebaut und ihn seitdem auch nie wieder weggelegt.
00:02:30: Gehört habt ihr hier selbstverständlich Wiedman begleitet vom Irish Chamber Orchestra.
00:02:35: Nach so viel Virtuosität wird es jetzt ernst.
00:02:38: Eine Elegy ist eigentlich ein Klagelied, ein Trauergesang und genau das ist Wiedmanns Elegy auch kein Konzert dass auf Effekte aus ist sondern eins das nach innen geht.
00:02:50: Die Klarinette wird hier zu singen und kladen in Stimme die sich langsam aus dem Orchesterklang herausschält oder auch wieder darin verschwindet Und wieder isst es Wiedman selbst der Alzolist auf der Bühne stehen kann sich glaube ich, keinen intensiveren Moment vorstellen als wenn ein Komponist selbst sein eigenes Klagelied zu Ende spielt.
00:03:11: Übrigens ist er natürlich auch der Klarinettist dieser Aufnahme.
00:03:15: mit ihm spielte die deutsche Radio-Philharmonie unter Christoph Pollen.
00:03:37: und jetzt zur Rachmaninoff zu einer waschechten Origin Story Batman Style.
00:03:44: Wenn wir an Sir Geyrach Maninov denken, dann haben wir sofort dieses eine Bild im Kopf Haageramann dunkler Anzug.
00:03:50: Todernster Blick garantiert kein Lächeln.
00:03:53: auf dem Foto der Melancholiker der klassischen Musik schlechthin einer, der in Moll denkt und in MOL fühlt und in MoL komponiert als hätte es Dua nie gegeben.
00:04:02: Aber so war ein nicht immer.
00:04:04: Hört euch das ab!
00:04:06: Urfassung erstes Klavierkonzert gespielt von Alexandre Gindin und dem Helsinki Philharmonik Orchestra Rasant glänzend bis obenhin vor jugendlichem Selbstbewusstsein.
00:04:29: Geschrieben von einem siebzehn-achzehnjährigen, der schon jetzt als einer der größten Überflieger seiner Generation gilt.
00:04:36: Mit neunzehn schreibt Rachmaninov dann in nur siebzen Tagen seine Abschlussoper Aleko.
00:04:42: Dafür bekommt er eine Wahnsinnsauszeichnung die große Goldmedaille des Moskauer Konservatoriums ist – einer der höchsten Preise, die man da bekommen kann!
00:04:50: Piotr Czajkowski ist ein wahnsinnig berühmter Komponist und Rachmaninoffs großes Vorbild.
00:04:55: Und der ist von dieser Oper tatsächlich so begeistert, dass er sich persönlich dafür einsetzt, das sie am Balcheuteater aufgeführt wird zusammen mit seiner eigenen Oper Jolanta.
00:05:04: Das ist DER Ritterschlag!
00:05:06: Dieser junge Rachmaninow – das ist Bruce Wayne bevor die Sache mit der Gasse passiert ist.
00:05:11: Reich an Talent, gefeiert, unbeschwert, die Zukunft gehört ihm.
00:05:16: Und dann die Gasse.
00:05:20: Diese Sinfonie, die Sinfoni Nummer eins in Sankt Petersburg Uhr aufgeführt.
00:05:25: Rachmaninov ist Dreiundzwanzig und dann Vollkatastrophe!
00:05:29: Der Dirigent an diesem Abend heißt Alexander Glasunov Und der Legende nach Soll er ganz schön betrunken aufs Pult gestiegen sein?
00:05:35: Das Orchester spielt schlecht hat kaum geprobt und spielt komplett am Werk vorbei.
00:05:39: Rachmanninov selbst sitzt im Zuschauerraum und hört entsetzt mitan wie sein eigenes Stück komplett auseinander fällt.
00:05:45: so schlimm dass er später erzählt es er einfach aus dem Saal geflüchtet habe sich auf der Treppe die Ohren zugehalten.
00:05:53: Aber es kommt noch dicker!
00:05:55: Der einflussreiche Kritiker César Qui schreibt danach eine der vernichtendsten Kritiken, die je über einen Musikstück verfasst wurden.
00:06:02: Sinn gemäß gelbe ist ein Konservatorium in der Hölle.
00:06:06: dann hätte Rachmaninoff dort als Student für diese Sinfonie absolut den ersten Preis verdient denn so groß sei die Plage dieser Sinfonien.
00:06:13: und das liebe Leute ist der Moment in dem aus dem gefeierten jungen Wunderkind der Rachmaninoff wird den wir alle im Kopf haben Der Krübler, der schwermütige dessen Musik von jetzt an von Todesahnung durchzogen ist.
00:06:25: Ab dieser Zeit taucht in praktisch jedem großen Werk Rachmaninoffs dasselbe kleine musikalische Motiv auf des Dies-Ire – die Jahrhundertealte Totenmelodie aus der katholischen Totenmesse.
00:06:39: Überall wartet dieses Motiv wie ein Schatten.
00:06:43: Manche Musikwissenschaftlerin sehen genau hier im Motto der ersten Sinfonie den Ursprung dieser lebenslangen Obsession.
00:06:53: Das Motto reflektiert den Klang des altrussischen Kirchengesangs.
00:06:57: Aber es ist nicht der einzige Ort, wo wir's zu Hause bekommen.
00:07:06: Es kehrt die ganze Sinfonie über wie ein roter Faden immer wieder – mal Düster, mal Triumphal, mal fast wie ein Schicksalsmotiv.
00:07:42: Diese Idee, einen Werk über vier Sätze hinweg mit dem selben musikalischen Kern zusammenzuhalten wird Rachmaninoff später zu seinem Magenzeichen machen!
00:07:51: Man hört hier also schon den ganzen Späten Rachmaninov nur eben noch Roha, Wilder und Ungestümer.
00:07:57: Jeder gute Superheld kriegt irgendwann sein Alfred der ihn wieder zusammenflickt und auf die Beine bringt!
00:08:02: Bei Rachmaninow heißt dieser Alfred Nikolaj Dahl – ein Arzt, der ihn Jahre später mit Hypnose-Therapie aus seiner tiefen Schaffenskrise holt und dem er aus Dankbarkeit sein nächstes großes Werk widmet das Klavierkonzert Nummer zwei.
00:08:15: Diese erste Sinfonie selbst aber verbannt Rachmaninos aus seinem Werkkatalog.
00:08:19: Er verbietet weitere Aufführungen, die Partitur gilt lange als verschollen.
00:08:24: Erst nach seinem Tod, nineteenhundertfünfundvierzig wird sie aus dem Orchestermaterial rekonstruiert und wieder aufgeführt.
00:08:31: Ganz zurück zum sonnigen Wunderkind vom Anfangen wird er trotzdem nie mehr.
00:08:35: Der Ernst bleibt und das Diäsiere bleibt Für den Rest seines Lebens Genau wie bei Bruce Wayne.
00:08:49: Was für eine Geschichte.
00:08:50: Ein Werk dass an einem einzigen verpatzten Abend was für immer verschwunden wäre und das gleichzeitig dem Ursprungsmütter ist eines der größten Komponisten, die Spätromantik bildet.
00:09:01: Hier habt ihr übrigens Kochanowski mit dem Netherlands Radio Philharmonic Orchestra gehört – also derselbe Dirigent, der das Werk am acht November mit dem RSB spielen wird!
00:09:10: Mit dabei wie versprochen Jörg Wiedmann als Komponeist UND INTERPRETE.
00:09:14: All das könnt Ihr hören um zwanzig Uhr im wundervollen Konzerthaus in Berlin am Gendarmmarkt.
00:09:20: Bleibt frohgemut und bis zum nächsten Mal.
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