Marin Alsop dirigiert Clyne, Barber und Schostakowitsch

Shownotes

Anna Clyne „Masquerade“ für Orchester

Samuel Barber Konzert für Violine und Orchester op. 14

Dmitri Schostakowitsch Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47

Marin Alsop Dirigentin

Johan Dalene Violine

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

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00:00:01: Muss es sein?

00:00:08: Hallo, Vier hier.

00:00:10: Ich weiß noch ist nicht Karneval und für die Jüngerin nein, das ist auch noch nicht Halloween!

00:00:15: Und trotzdem geht's heute um Masken aus Musik.

00:00:27: Der ist nämlich Geiger und wird den Solo-Part im Violinkonzert von Samuel Barber spielen.

00:00:33: Ein wunderschönes, schwägerisches Stück aus dem USA – der Heimat der Dirigentin!

00:00:38: Dazu gibt es dann auch die gewichtige Sinfonie Nr.

00:00:41: V von Dimitri Shostakovich und von Anna Klein eine Masquerade für Orchester.

00:00:48: Und in all diesen Werken werden uns Masken gezeigt.

00:00:52: Lustige?

00:00:53: Aber auch lebensrettende….

00:00:56: Anna Klein hat Demasquerade, für die BBC PROMS geschrieben als furiose Eröffnungsnummer der berühmten Londoner Konzertreihe.

00:01:06: Ihre Inspiration – Die Vergnügungskärte des achzehn Jahrhunderts allen voran die legendären Voxel-Gardens.

00:01:14: Dort trafen sich Adl und einfaches Volk hinter Masken zum Tanz Und für eine Nacht waren die Standesgrenzen aufgeboten.

00:01:22: Genau dieses ausgelössene Durcheinander steckt auch in Kleins Musik.

00:01:40: Ich finde dieses Werk ganz fantastisch, wie sich die Musik hier windet, schillert und sich doch einem irgendwie entzieht.

00:01:45: Wie Wasser!

00:01:46: Tolle Musik, schwungvoll instrumentiert gerade richtig kurz... ...und auch immer irgendwie wahnsinnig schön und schwer gerischen.

00:01:53: Ihr hört hier übrigens das BBC Symphony Orchestra unter Maren Arsopp.

00:01:58: Und dieses Werk hat seinen Weg auch ganz sicher nicht zufällig in das Konzert gefunden.

00:02:03: Maren-Arsopp hat nämlich auch die Uraufführung am siebten September zehntelndreizend in London dirigiert.

00:02:08: Da waren also die Voxels gar nicht weit.

00:02:10: Also eine Stunde zu Fuß, wenn man sich beeilt.

00:02:23: Und wenn ich hier so in diese Musik reinlausche... Ich glaube auf dieser Maske gerade werde ich wahnsinnig gerne Gast!

00:02:30: Ihren liebsten Komponisten nennen die Amerikaner Samuel Barber nicht nur wegen des berühmten Adagios für Streicher.

00:02:39: Sein Violinkonzert von neunzehnhundertneununddreißig gehört zu den allerschönsten überhaupt.

00:02:43: Es beginnt mit einer unverwechselbaren Kanteline also einer Linie, die wirkt als sei sie gesungen und zwar mit einem unendlich langen Atem.

00:03:03: Gespielt wird das Konzert von Johan Dalene, ein schwedisch-norwegischen Geiger der auf einer Strativari von Klingt jetzt echt weit hergeholt, aber wir hören hier tatsächlich einer kleinen Liebesgeschichte zu.

00:03:23: Denn als der Solist Johann Dallene in dem Jahr für die erste CD-Aufnahme entschied er sich genau für dieses Stück!

00:03:32: Auf dem Weilenschannel erzählt er das Barbara-Konzert ein Werk sei, dass er wirklich sehr liebe.

00:03:37: Er fügt hinzu, dass mit der Aufnahme dieses fantastischen Violinkonzerts ein Traum war werde.

00:03:43: Ihr seht, es ist keine Pflichtübung, sondern ein Herzensrepertor.

00:03:47: Und ratet mal, welche Aufnahme wir hier hören.

00:03:50: Genau!

00:03:51: Die Herzensrepertoireaufnahme aus dem Jahr two-tausendneinzehnt mit Johan Dalene an der Solo-Vögelien.

00:04:17: Hier könnt ihr hören was ich und ja auch so viele andere Menschen an Barbas Musik sehr lieben und warum sie auch toll in dieses Maskenkonzert passt und warum das Bridgetten-Prinzip tatsächlich gar nicht weit ist.

00:04:28: Wir hören nämlich eine echte unächte Hollywoodritterfilmromantik Ein bisschen achasche.

00:04:34: Vergangenheit schimmert zwar durch, aber irgendwie ist dann doch alles ganz perfekt ausgeleuchtet wie im Film.

00:04:40: Die Zähne strahlen weiß die Frisur sitzt und der Palast ist durch Drogen von perfekter Melancholie.

00:04:46: Barbara schrieb das Werk übrigens in den neunzehn dreißiger Jahren also das goldene Zeitalter der Hollywoodstudios und der ersten schwergerischen Filmmusiken von Abenteuer Piraten und Ritterfilmen.

00:05:00: Und jetzt eine Maske die deutlich mehr ist als schneeweise Zähnen im Mittelalter-Film.

00:05:05: Es ist eine Maske, die richtig weh tut!

00:05:08: Ihr hört hier Schostakowitsch's fünfte Sinfonie erster Satz bespielt vom H-Ei-Sinfonieorchester unter David Avkam.

00:05:15: Das Werk entstand neunzehntsehnhundertsdreißig nachdem die Pravda das stalinistische Komitee für die Beurteilung von Kunstbergen Schostakovichs Opa Lady Macbeth von Gensk verrissen hatte.

00:05:26: und so ein Verriss.

00:05:27: der konnte unter Stalin über Leben und Tod entscheiden.

00:05:30: Shostakovich reagiert mit einer Sinfonie, die er selbst die Antwort eines sowjetischen Künstlers auf gerechte Kritik nennt.

00:05:38: Klingt nach Unterwerfung ist aber wenn man genau hinhört eher eine Überlebensstrategie.

00:05:44: Ich finde dieser Anfang der Sinfonien rückt so als bekäme an keine Luft Als würde man versuchen möglichst leise zu atmen ganz flach und bloß nicht gesehen oder gehört zu werden.

00:05:55: Maske als Versteck.

00:06:23: Der letzte Satz hingegen.

00:06:51: Hier versteckt sich niemand.

00:06:53: Hier feiert jemand frenetisch das Regime, aber ist es wirklich so?

00:06:59: Diese pausbäckige Fröhlichkeit hier im letzten Satz wirkt irgendwie aufgesetzt und erzwungen.

00:07:05: Es ist keine erfüllte Schlussapotheose.

00:07:07: sie muss klingen wie Jubel unter androh'n größter Schmerzen und Qualen.

00:07:12: Wir hören ja also eine andere Maske musikalischer Stil als Selbstschutz.

00:07:39: Die Memoiren von Shostakovich sind, das muss ich jetzt im folgenden Zitat hinzufügen umstritten.

00:07:45: Dennoch kann ich euch diese Textstelle nicht vorenthalten denn sie passt einfach zu gut!

00:08:06: Jubeln sollen wir, jubeln sollen wer.

00:08:19: Und ich finde mit diesem Wissen im Hintergrund hört man diese Musik komplett anders.

00:08:23: Die Triumphale Pauke wird zum Sklaventreiber und die Streicher, die hier gar kein enthämtes Tremolo spielen also keine schillernde Klangfläche produzieren sondern eher klar voneinander abgrenzbare Töne, die scheinen eher zu marschieren als ausgelassen auf das Ende der Sinfonie zuzubreschen.

00:08:40: Hierigentin Marilyn Elsopp kennt auch dieses Werk besonders gut.

00:08:43: Sie hat die Fünfte zum ersten Mal unter ihrem Mentor Leonard Bernstein gehört und ist seitdem, wie sie in einem Interview erzählt, fasziniert vom Universal Drive for Freedom dieses Stücks.

00:08:52: So sagt sie!

00:09:16: zusammengepressten Zähnen aufgesetzt wird bei Dimitri Shostakovich.

00:09:20: Maron Ersob dirigiert, Johan Dalene spielt die Geige am sechsenzwanzigsten September zwanzig Uhr im Konzert aus Berlin.

00:09:27: Kommt vorbei – ob mit Maske oder ohne!

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