Katharina Wincor dirigiert Read Thomas, Say und Beethoven

Shownotes

Wenn man an Frieden denkt, denkt man vielleicht an Stille. An ein ruhiges Fleckchen Natur, an Vogelgezwitscher, an das Plätschern eines Bachs. Beethoven hätte das unterschrieben. Aber manchmal – und das ist der Gedanke, der dieses Konzert zusammenhält – muss man erst schreien, bevor man schweigen kann. Um welches Konzert geht es? Um das letzte der Saison! Höhepunkt und Endspurt. Aber ein Friedlicher. Einer, bei dem es keine Verlierer gibt. Am 2. Juli dirigiert Katharina Wincor das Rundfunk Sinfonieorchester. Die Solocellistin ist die grandiose Camille Thomas. Fia stellt euch das letzte Konzert der Spielzeit 2025/26 vor. Viel Spaß beim Reinhören!

02.07.2026 20:00 Uhr Konzerthaus Berlin

Augusta Read Thomas „Plea for Peace“ für Kammerorchester

Fazil Say “Never Give Up” – Konzert für Violoncello und Orchester

Ludwig van Beethoven Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 („Pastorale“)

Katharina Wincor Dirigentin

Camille Thomas Violoncello

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Tickets ab 15 Euro unter rsb-online.de

Transkript anzeigen

00:00:01: Muss es sein?

00:00:03: Der Konzertprodcast des RSB mit Sophia Susanne Westenfelder.

00:00:08: Hallo, vier hier!

00:00:10: Wenn man an Frieden denkt, dann denkt man vielleicht in Stille – vor allem ich heute, denn ich nehme heute neben einer Baustelle auf mal gucken wie das wird.

00:00:19: Wenn man also an Friede denkt, denkt man auch an ein ruhiges Fleckchen Natur, an Vogelgezwitscher und anders Plätschern eines Bachs.

00:00:27: Beethoven hätte das bestimmt unterschrieben... Aber manchmal, und das ist der Gedanke, der dieses Konzert zusammenhält.

00:00:33: Manchmal muss man erst mal schreien bevor man schweigen kann.

00:00:36: Und um welches Konzерт geht's?

00:00:37: Um das letzte der Saison!

00:00:39: Höhepunkt- und Endspurt – aber ein friedlicher bei dem es keine Verlierer gibt.

00:00:44: Am zweiten Juli dirigiert Katharina Winzer das Rundfunk-Sinfonieorchester.

00:00:48: Die Solo-Chillistin ist die grandiose Kami Tuma.

00:00:53: Das ist Augusta Ray Thomas bzw.

00:00:56: ihr Werk Plee for Peace wortloser Gesang, der sich langsam aus einer fast bewegungslosen Klangfläche herausschält.

00:01:04: Die liegt da wie ein ruhiger See oder wie eine Quelle in den Appellachen und das ist also Thomas Fleen für Frieden.

00:01:14: Das Berg ist eine Melodie ohne Worte.

00:01:17: Gesungen wird die im Original von einer Sopranstimme im Arrangement des aber am Konzertabend erklingt singen die Instrumente diese innige Melodie.

00:01:27: Ihr hört hier eine Aufnahme mit dem All-Star Orchestra unter Gary Schwartz.

00:01:31: Auftraggeber des Werks war die University of Chicago, das Stück entstand im Jahr zwei Tausend Siebzehn für eine Veranstaltung zum seventy-fünfzigsten Jahrestag von Chicago Pile One.

00:01:42: Das klingt jetzt wie in Park.

00:01:44: Eisenbahn ist aber tatsächlich der erste Atomreaktor der Welt, der am zweiten Dezember nineteen neunzehntzwanzig auf dem Sportplatz unter den Tribünen der Universität sein Betrieb aufnahm.

00:02:06: Eine wissenschaftliche Meisterleistung, aber gleichzeitig auch der Ausgangspunkt für eine der bedrohlichsten Entwicklungen der Menschheitsgeschichte.

00:02:15: Und genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich das Stück.

00:02:18: Die Melodie beginnt schwebend und fast bewegungslos.

00:02:22: Rein klaren Intervallen wachsen nach und nach reichere Harmonie!

00:02:26: Die Melodie staut sich immer dichter, immer drängler bis zum Herzstück des Werks ein wortlosen Schrei.

00:02:38: Sie ist nineteenhundertsechzig in New York geboren, studierte unter anderem an der Yale University und an der Royal Academy of Music in London.

00:02:48: Und ist heute Professorin für Kompositionen in Chicago.

00:02:52: Der New Yorker nannte sie a true virtuoso composer.

00:02:56: Das muss ich wohl kaum übersetzen.

00:02:57: Pierre Boulez und Daniel Barrenbäum holten sie dann als Composer-In-Residence zum Chicago Symphony Orchestra Für neun Jahre länger als irgendjemand vor ihr.

00:03:07: Ihre Musik so sagt die Presse feiert den Klang der Instrumente und bekräftigt die Vitalität der Orchestermusik.

00:03:15: In Plee for Peace hört man das alles, und man hört noch mehr – und zwar ein tiefes menschliches Sehen, das keine Worte braucht!

00:03:24: Wir haben jetzt gehört wie man still um Frieden bittet.

00:03:27: Das zweite Werk des Abends bittelt lauter.

00:03:38: Ihr hört Fasil Saiz Cello-Konzert Never Give Up.

00:03:41: Sai ist in ankehre geboren.

00:03:44: Seine Ausbildung führte ihn von dort aus nach Düsseldorf, wo er studierte.

00:03:48: Heute ist er einer der gefragtesten Pianisten in der Welt und auch Komponist- und politischer Aktivist.

00:03:53: In den letzten Jahren wurde er in seiner Heimat wegen islamkritischer Tweets zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

00:04:00: Ihr seht, dass es jemanden nicht schweigt wenn er was zu sagen hat!

00:04:03: Und das hört man auch an diesem Konzert... Terroranschläge in Paris, Brüssel, Istanbul, Nizza Berlin auf Flughäfen im Konzertsälen und Weihnachtsmerkten.

00:04:17: Mitten in diesem Klima schrieb Psy das Konzern für Digitalistin Camille Touma die auch am zweiten Juli auf der Bühne stehen wird.

00:04:23: Psy komponiert hier ein Aufschrei nach Frieden so sagt er selbst.

00:04:29: Und Camille Touma?

00:04:30: Sie hat dieses Werk aus der Taufe gehoben Nicht nur zur Ur-Aufführungseinspielung mit den Brüsseler Philharmonikan unter Stefan de Neve, die hier natürlich auch als Beispielaufnahme hört.

00:04:41: Sondern vor allem als diejenige der Psydas Stück auf den Leib geschrieben hat.

00:04:59: Der zweite Satz ist überschrieben mit Terror-Elegie und er beginnt als friedliche Utopie.

00:05:08: Hoffnungen werden rauschen Hören wir aber gewaltvolle Töne Im Schlagzeug schreiende Holzbläsern In all dieser Gewalt rot das klagende Cello unterzugehen.

00:05:32: In der Partitur stehen die Spielanweisungen Kalashnikov und Like is Green.

00:05:36: Das ist keine Metapher, das ist Musik als Wut- und als Puhreverzweiflung aber das Cello singt hoffnungsvoll weiter.

00:06:01: Und dann der dritte Satz Vogelzwitschern und türkische Rhythmen.

00:06:08: Sai schreibt ihr eine Musik, die an seine Heimat erinnert Aber an einer Heimat wie sie sein könnte Beziehungsweise wie sie seien sollte.

00:06:16: Wieder also eine auskomponierte Utopie.

00:06:24: Und jetzt kommt die Verbindung, die ich besonders schön finde!

00:06:27: Im Jahr zwei-tausendsechzehn genau als sei dieses Konzert schrieb, erhielt er den internationalen Beethovenpreis für Menschenrechte Frieden, Freiheit, Armutsbekämpfung und Inklusion – ein Preis benannt nach Ludwig van Beethoven & Beethoven?

00:06:41: Das ist der Komponist mit dem dieser Abend endet... Die sechste Sinfonie Eftur, die Pastorale, also eine ländliche Sinfonien.

00:06:51: Beethoven hat den einzelnen Setzen sehr konkrete Überschriften gegeben.

00:06:55: Das ist gar nicht typisch für ihn.

00:06:56: Der erste Satz etwa heißt, erbachen heiterer Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande und genauso klingt er.

00:07:03: Aber Vorsicht!

00:07:04: Dass ihr das is kein naives Natur gemäldet.

00:07:07: Beethoven selbst sagte es sei mehr Ausdruckt der Empfindung als Malerei.

00:07:12: Also es empfindet hier das BRSO unter Maris Jansons.

00:07:21: Es iß des Gefühles ankommts – die Erleichterung Bis durchatmen, wenn man die Stadt oder den Lärm der Welt hinter sich lässt.

00:07:29: Berliner kennen das!

00:07:43: Der zweite Satz – Szene am Bach.

00:07:46: Hier plätschert's wirklich Und am Ende imitieren Flöte, Obur, Klarinette, Vogelstimm Nachtigall Wachtelkönig Kuckuck.

00:07:57: Beethoven hat den Namen der Vögel selbst in den Notentext geschrieben So explizit so kindlich und so bezaubernd.

00:08:05: Im dritten Satz treffen wir dann auf Menschen Lustiges Zusammensein der Landleute und dann folgt das für Sommermusik fast schon obligatorische Gewitter.

00:08:13: Buchen sollste suchen, Eichen sollst du weichen.

00:08:41: Der fünfte Satz ist mit Hirtengesang frohe und dankbare Gefühle nach dem Sturm überschrieben.

00:08:46: Es sind also alle trocken geblieben.

00:08:48: so ein Glück.

00:08:52: Diese clarinetten Melodie am Anfang dieser Moment wo Nachdem gewitter die Wolken aufreißen Das ist einer der schönsten Momente der gesamten Sinfonie Literatur.

00:09:02: Beethoven schrieb diese Sinfonie, als er bereits weitgehend taub war.

00:09:06: Er der die Natur so sehr liebte konnte sie kaum noch hören.

00:09:09: Er musste sich erinnern vorstellen komponieren und vielleicht ist das der Grund warum diese Musik nicht nur nach Natur klingt sondern nach Sehnsucht nach Natur.

00:09:20: Nach dem Frieden den man nicht mehr einfach so haben kann, den man sich erkämpfen muss.

00:09:26: Thomas fleht um Frieden sei schreit danach und Beethoven träumt ihn.

00:09:31: Drei Werke, drei Sprachen dieselbe Sehnsucht.

00:09:35: Am Pult steht Katharina Winzer eine der aufstrebendsten jungen Dirigentinnen gerade – am Cello Camitomar!

00:09:42: Beide könnt ihr sehen und hören am Donnerstag dem zweiten Juli um zwanzig Uhr im Konzert aus Berlin.

00:09:47: Das letzte Konzern dieser Saison und ich verspreche euch ist es ein wunderbarer Saisonabschluss voller atmosphärischer und magischer Klänge.

00:09:55: Kommt vorbei.

00:09:56: wir hören uns dann in der nächsten Konzercäsion des RSB.

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