Jonathan Nott dirigiert Elgar und Tschaikowsky

Shownotes

Kat präsentiert euch hier das Konzertprogramm vom 28.06.2026, das ein bisschen ist, wie ein Ausflug ins Gym. Einerseits Maximal-Kraft-Training mit Elgars unfassbarem Violinkonzert in h-Moll, op.61. Gespielt von der britischen Geigerin Nicola Benedetti. Und danach ein Wellness-Treatment mit der wunderschönen, selten zu hörenden dritten Sinfonie in D-Dur, op.29 von Peter Tschaikowski. Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin musiziert unter der Leitung von Jonathan Nott.
Viel Spaß beim Anhören der neuen Episode.

28.06.2026

  1. 20 Uhr / Philharmonie

Edward Elgar Konzert für Violine und Orchester h-Moll op. 61

Pjotr Tschaikowsky Sinfonie Nr. 3 D-Dur op. 29

Jonathan Nott, Dirigent Nicola Benedetti, Violine Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Tickets ab 15 € unter rsb-online.de

Transkript anzeigen

00:00:01: Muss es sein?

00:00:04: Der Konzertpodcast des RSB mit Katharina Neuschäfer.

00:00:09: Heute mit einem Konzernprogramm, das ein bisschen ist wie ein Ausflug ins Gym!

00:00:14: Einerseits Maximal-Krafttraining mit Elgas unfassbarem Violinkonzert in Hamoll, Opus ein und sechzig gespielt von der schottischen Geigerin Nicola Benedetti.

00:00:25: Und danach ein Wellness-Treatment mit der wunderschönen selten zuhörenden dritten Symphonie in D-Dur opus neunundzwanzig von Peter Tchaikovsky.

00:00:36: Das Rundfunk-Symphonieorchester Berlin musiziert unter der Leitung von Jonathan Knott.

00:00:41: Herzlich willkommen zu unserem Podcast.

00:00:43: Muss es sein!

00:00:45: Das Violinkonzert von Edward Elgar, so fängt es an.

00:00:49: Mit einer Orchester-Einleitung und die macht ein Gefühl als würde eine ganze Herde von wunderbaren Themen auf einen Zugaloppieren.

00:01:03: Dann setzt die Geige ein mit dem ersten Thema.

00:01:16: Jetzt gibt's nur noch sie Und sie erzählt von allem was eben passiert ist.

00:01:22: Der Geigenwirteose Fritz Kreisler bittet Elga um dieses Konzert.

00:01:26: Aber es dauert fünf Jahre, bis Kreislar es Jahrzehnten endlich zum ersten Mal im Konzern spielen kann.

00:01:37: Edward Elgar und seine Rätsel.

00:01:39: Berühmt geworden sind seine Enigma-Variationen in denen er mit charakterstarken Melodien tatsächliche Personen seines Umfelds maskiert – auch im Violinkonzert kann er's mal wieder nicht lassen!

00:01:51: Stichwort Windflower Zu Deutsch Windröschen.

00:01:56: Tarte kleine Blumen sind das aus der Anemonen-Familie, im Falle Elgar stammt das Windröschchen aber eher aus der Stuart Wardley Familie heißt Alice und gehört zusammen mit ihrem Ehemann zum engsten Freundeskreis der Elgas.

00:02:10: Das hier ist übrigens die Windflower Alice.

00:02:29: Was aus diesem Seitenthema spricht?

00:02:31: es tiefe, tiefe Zuneigung.

00:02:34: Wenn er wieder ein kreatives Tief hat, kann er nur arbeiten wenn Windflower in seiner Nähe ist.

00:02:39: Das ist so ein Seelending bei denen.

00:02:42: Übrigens sind wir damit schon beim nächsten Rätsel.

00:02:45: Elger hat um noch etwas mehr Geheimnis um sein Violinkonzert zu legen gleich noch eine rätselhafte Widmung reingeschrieben.

00:02:52: Hierin liegt verborgen die Seele von.

00:02:56: und dann kommen fünf Auslassungspunkte nicht drei wie normal sondern fünf Punkte Alles.

00:03:05: Dieses Konzert ist ein Brett, also erst mal ist das ganze technisch wirklich schwer.

00:03:10: Es gibt rasende Läufe dann geht es rauf in gefährliche Höhen wo die Luft wirklich dünn ist.

00:03:18: Es gibt Dottelgriffe, es gibt Arpeggen Das sind Akkorde wo die einzelnen Töne nacheinander gespielt werden.

00:03:25: Also der Bogen muss hin und her über die Seiten fliegen.

00:03:29: Natürlich ist das Ganze auch körperlich sehr anstrengend, weil die Geige eigentlich nie Zeit hat, auch mal kurz durchzuatmen.

00:03:35: Und dann kommt auch noch die emotionale Komponente dazu – ich sag nur Windflower!

00:03:41: Es wirkt manchmal beinah so als würde jemand leidenschaftlich eine Geschichte erzählen und dabei von einer Erinnerungssekvenz in eine andere springe.

00:03:49: Und genau diesen ständigen Wechsel wirklich bewusst zu durchleben den zu fühlen Das ist vielleicht das Allerschwester an diesem Konzert.

00:04:07: Der zweite Satz nimmt uns mit nach innen, vielleicht ruft er ja auch in euch schöne Erinnerungen wach.

00:04:12: Elga jedenfalls hätte das Andante-Thema am liebsten als Grab in Schrift für immer bei sich behalten.

00:04:27: und jetzt kommt's der dritte Satz!

00:04:30: Und dass es hier genauso wie beim Krafttraining – der Dritte Satze ist der härteste.

00:04:41: Der Solist oder die Solistin haben ja schon seit knapp dreißig Minuten alles gegeben.

00:04:45: Aber jetzt geht's noch mal richtig um alles – technisch, musikalisch, konditionell!

00:04:50: Also Vorsicht mit der Wahl des Anfangstempos.

00:04:53: das muss nämlich durchgehalten werden bis zum Schluss.

00:04:56: Thematisch nimmt Elgar nochmal alle Motive und Themen auf, die wir schon kennen aus den anderen Sätzen.

00:05:01: Eine meiner Lieblingsstellen ist diese hier….

00:05:11: wie würde der Engländer sagen?

00:05:13: Das ist einer der wesentlichen Charakterzüge in Elgas.

00:05:16: Musik gibt es übrigens auch als Spielanleitung bei ihm immer wieder.

00:05:19: Und das führt auch zu Spott bei den Kritikern, aber das ist eben Elger!

00:05:25: Seine Musik lebt von der Schönheit und der Wahrhaftigkeit großer Gefühle... Aber fehlt da nicht noch irgendwas?

00:05:34: Obwohl die Solistin oder der Solist eigentlich schon alles gezeigt hat was so geht auf vier Seiten schenkt ihm Elger doch eine Kadenz.

00:05:42: Die ist umwerfend weil sie mit der Regel bricht, kadenz ist nur für die Sologeige Ja, und hier kommt jetzt der Gegenbeweis.

00:05:53: Die Geige steht im Licht aber das tut sie umso mehr weil das Orchester sie anstrahlt.

00:05:58: ganz leise breitet das Orkeste einen Teppich für Sie aus die Streicher zupfen oder schrammen nur so über die Seiten wie bei einer Gitarre.

00:06:07: Das schwere Blech das haucht nur Und die Pauke flüstert sogar würde ich sagen.

00:06:12: Ein grandioser wie Ich finde ein fast umarmender Effekt der noch einmal betont dass dies ein Konzert ist, in dem sich Orchester und Solo-Instrument ergänzen.

00:06:23: Beinahe ganz am Schluss der Cadenz kommt die eine Stelle – Die Elger selbst nach Aussage des befreundeten Geigers Billy Reed fast zum Weinen gebracht hat.

00:06:39: Am Ende sind alle durchgeschwitzt und glücklich!

00:06:44: Nach diesem Schwergewicht des Geigenrappertwares wirkt die dritte Sinfonie Indedur von Peter Tchaikovsky nahezu schwerelos.

00:06:52: Sie stammt aus dem Jahr eighteenhundertfünfundsiebzig und ist damit kurz nach seinem berühmten Ballett Schwarnensee entstanden.

00:07:00: Ich sage das ganz bewusst auch deshalb, weil die D-Dur-Symphonie so sehr an ein Ballett erinnert!

00:07:06: Das ist einerseits gut – und auf der anderen Seite gar nicht mal so gut – denn genau da regt die Kritiker seiner Zeit maßlos auf.

00:07:14: Es gibt fünf Sätze Und die sind alle eher tänzerisch, wobei die jeweiligen Themen jetzt nicht unbedingt miteinander verbunden sind.

00:07:23: Aber wenn man diese herkömmliche Sinfonie-Erwartung einfach mal weglässt dann erlebt man eine dreiviertel Stunde lang wunderbare Musik.

00:07:31: Ich bin zum Beispiel ein Fan des Anfangs.

00:07:33: Der steht nämlich in Moll und ist ein Trauermarsch.

00:07:40: Aber hört ihr das?

00:07:41: Da geht auch eine Szene auf!

00:07:43: Nicht zumindest höre ein Bühnenbild ich höre mehrere Akteure... ...ich höre eine Handlung Und ganz nebenbei gesagt, das musikalische Material wird in diesem Werk durchaus im symphonischen Sinne verarbeitet.

00:08:04: Was passiert ist dass das Thema nacheinander von verschiedenen Instrumenten aufgenommen wird und dann wird das Ganze wie ein Kanon geschichtet.

00:08:12: also Tchaikovsky hat hier quasi so eine Kombi gemacht.

00:08:14: er hat das Prinzip der Barockensuite genommen wo mehrere Tenze oder Charakterstücke aufeinander folgen und dann hatte es in die Sinfonieform übersetzt.

00:08:25: Zweiter Satz Warum er allerdings alla Tedesca, also im deutschen Stil überschrieben ist?

00:08:31: Man weiß es nicht.

00:08:32: Auch wieder sehr balettig und das kommt von diesen Triolen hier.

00:08:38: Der dritte Satz ist ein bisschen verhangen mit ganz großem Gefühl eine Elegy-Istas.

00:08:43: Also großer Atem ist gefragt.

00:08:45: was ich aber noch viel spannender finde is der vierte Satz!

00:08:49: Der vierte Satz ist für mich der intensivste Satz der ganzen Sinfonie.

00:08:54: Das ist so ein bisschen Schumann, bisschen Spuk.

00:08:57: Überall wuselt und huscht etwas herum.

00:08:59: Und dann tritt die Po-Saune auf, hundert Prozent Lieblingsstelle!

00:09:08: Achtet mal auf dieses Wellenmotiv – das ist ganz toll wie dass in den Streichern beginnt und nahtlos in die Holzbläser überschwappt.

00:09:16: Das macht diesen Huscheffekt aus.

00:09:19: Der Finalsatz ist erwartungsgemäß bewegt und mit viel Pump.

00:09:23: Im Zentrum steht wieder eine Fube wo Tchaikovsky zeigt, wie er mit den Stimmen jonglieren kann.

00:09:29: Die Reaktionen bei der Uraufführung sind gemischt.

00:09:32: Das Publikum findet es super, die Kritiker meist nicht, Tchaikovsky pflichtet den Kritikern bei und heute ist die Dritte irgendwie aus dem Fokus geraten Und leider sehr selten auf den Konzertprogrammen zu finden finde ich persönlich sehr schade weil diese Musik so ein gutes Gefühl macht.

00:09:49: Nach diesem Konzärtprogramm sind wir vermutlich alle etwas stärker geworden zumindest was unsere Gefühls- und Glücksmuskulatur betrifft.

00:09:56: In diesem Sinne wünsche ich euch einem wunderbaren Konzertamt.

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